Im Rahmen der Berufsorientierung hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, verschiedene Berufe und Studiengänge aus dem Bereich Medizin und Gesundheitswesen kennenzulernen. Dabei wurden sowohl unterschiedliche Ausbildungswege als auch verschiedene Studienmöglichkeiten vorgestellt. Besonders interessant war dabei, dass nicht nur klassische medizinische Berufe, sondern auch Berufe in der Psychologie, Pharmazie, Laboratoriumsanalytik und Radiologie betrachtet wurden.
Die folgenden Artikel geben einen Einblick in verschiedene berufliche Möglichkeiten und Studiengänge. Dabei werden unter anderem die Voraussetzungen, Ausbildungs- und Studienzeiten, Tätigkeiten im Berufsalltag, wichtige Fähigkeiten und teilweise auch die Verdienstmöglichkeiten vorgestellt. So lässt sich erkennen, wie vielfältig die Möglichkeiten im Gesundheitswesen sind.
Apotheker im Bereich Medizin
Jetzt geht es um den Beruf Apotheker im Bereich Medizin. Um Apotheker erst einmal zu werden, muss man eine fünfjährige Ausbildung, die bundesweit durch die „Approbationsordnung für Apotheker“ einheitlich geregelt ist, absolvieren. Zuerst das zweijährige Grundstudium. Hier geht es beispielsweise um die Grundlagen der Humanbiologie, pharmazeutischen Analytik, also die Untersuchung von Arzneistoffen etc., und allgemeine sowie organische und anorganische Chemie. Danach geht es in das Hauptstudium, das ebenfalls zwei Jahre dauert. Hier beschäftigt man sich zum Beispiel mit der pharmazeutischen (Wissenschaft und Lehre von Arzneimitteln) Chemie, Biologie und Technologie, aber auch Toxikologie, dem Zeitpunkt, wenn ein Arzneimittel zu „Gift“ wird und tödlich ist. Zuletzt gibt es eine einjährige praktische Ausbildung. 6 Monate ist man in einer öffentlichen Apotheke, 6 Monate kann man wahlweise auch in einer Krankenhaus- und Bundeswehrapotheke die praktische Ausbildung machen und zuletzt 4–6 Wochen begleitenden Unterricht, bevor man dann die Approbation als Apotheker bekommt. Man kann dann in der Industrie, in Krankenhäusern, Krankenkassen, in einer Apotheke usw. tätig sein. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man, um ein Apotheker zu werden, eine fünfjährige Ausbildung machen muss und auch Interesse im Bereich Chemie, Biologie und Physik haben muss. Weitere Informationen wie andere Qualifikationen, Gehalt etc. und Details findet ihr in diesem Interview oben.
Psychotherapeutin oder Psychotherapeut
Im Rahmen der Berufsorientierung für die Q1 hatten die Schülerinnen und Schüler des Silverberg-Gymnasiums die Möglichkeit, verschiedene Berufe aus erster Hand kennenzulernen. Unter den Gästen war auch eine Psychotherapeutin, die den Schülern einen Einblick in ihren Beruf, die Ausbildung und ihren Arbeitsalltag gab.
Ein langer Weg bis zur eigenen Praxis
Wer Psychotherapeutin oder Psychotherapeut werden möchte, muss zunächst einen langen Ausbildungsweg auf sich nehmen. Das Studium besteht aus einem Bachelor- und einem Masterstudium und dauert insgesamt etwa fünf Jahre. Danach folgt die Ausbildung beziehungsweise Weiterbildung zur Psychotherapeutin bzw. zum Psychotherapeuten, bevor die entsprechende berufliche Erlaubnis erlangt werden kann. Auch anschließend gehören regelmäßige Seminare und Weiterbildungen zum Berufsleben – teilweise finden diese beispielsweise an Wochenenden statt.
Im Bereich der psychischen Gesundheit gibt es außerdem verschiedene Berufsmöglichkeiten. Dazu gehören unter anderem Psychologinnen und Psychologen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie. Die Tätigkeiten unterscheiden sich dabei teilweise deutlich voneinander.
Wie sieht der Berufsalltag aus?
Der Arbeitsalltag einer Psychotherapeutin kann sehr unterschiedlich aussehen. Es gibt verschiedene Formen von Psychotherapie, beispielsweise Einzel- und Gruppentherapien. Eine einzelne Therapiesitzung dauert in der Regel etwa 50 Minuten.
Wer in einer Klinik arbeitet, erlebt außerdem einen abwechslungsreicheren Arbeitsalltag. Dort können neben Einzel- und Gruppentherapien auch die Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Fachkräften und die medizinische Begleitung von Patientinnen und Patienten dazugehören. Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht auch darin, gemeinsam mit den Betroffenen zu verstehen, wie sich beispielsweise ein möglicher Rückfall ankündigen oder anfühlen kann.
Neben einer Tätigkeit in einer Klinik besteht auch die Möglichkeit, sich als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut selbstständig zu machen und beispielsweise eine eigene Praxis zu führen.
Welche Eigenschaften sind wichtig?
Für den Beruf sind vor allem Empathie, Geduld und gute soziale Fähigkeiten wichtig. Man muss in der Lage sein, anderen Menschen aufmerksam zuzuhören und ihnen ohne vorschnelle Bewertung zu begegnen.
Trotz des vielen Kontakts mit Patientinnen und Patienten arbeitet man als Psychotherapeutin häufig selbstständig und allein. Deshalb sind neben sozialen Fähigkeiten auch Eigenständigkeit und Verantwortungsbewusstsein gefragt.
Und was verdient man?
Das Einkommen hängt unter anderem davon ab, ob man angestellt oder selbstständig arbeitet und in welchem Bereich man tätig ist. Als grobe Orientierung wurde bei der Veranstaltung ein Jahresgehalt von etwa 66.000 bis 77.000 Euro genannt.
Der Beruf der Psychotherapeutin ist mit einer langen Ausbildung und viel Verantwortung verbunden. Gleichzeitig bietet er verschiedene Arbeitsmöglichkeiten – von der Tätigkeit in einer Klinik über Gruppen- und Einzeltherapie bis hin zur eigenen Praxis. Wer gerne mit Menschen arbeitet, empathisch ist und sich für die menschliche Psyche interessiert, kann in diesem Beruf ein zukunftsfähiges und gesellschaftlich wichtiges Tätigkeitsfeld finden.
Studiengänge im Gesundheitswesen
Insgesamt gibt es knapp 22.553 Studiengänge deutschlandweit, wovon 11.614 Bachelor und Staatsexamen und davon 641 im Bereich Medizin und Gesundheitswissenschaften sind. Hier wird sich mit den Studiengängen im Gesundheitswesen beschäftigt. Dazu gehören beispielsweise die Logopädie (medizinische Behandlung von Störungen des Sprechens), Sportwissenschaften (Forschung von Sport, Bewegung und Auswirkungen auf unseren Körper) und Tiermedizin. Die Schwerpunkte hier sind dabei Humanmedizin (Medizin des Menschen), Zahnmedizin und Psychologie.
Also, wie sieht denn ein Studiengang von denen so aus? In der Humanmedizin gibt es in der Regel insgesamt 13 Semester mit Staatsexamen. Die ersten 2 Semester geht es um die Homogenisierung, die Herstellung einer einheitlichen, gleichmäßigen Mischung aus verschiedenen Stoffen. In den 4 Semestern danach ist der Schwerpunkt interdisziplinäre Systemblöcke. Das ist eine moderne Unterrichtsform in der medizinischen Ausbildung. Die Semester 7–10 sind die klinischen, die Zeit zwischen dem Bestehen des 1. Abschnitts der ärztlichen und dem Beginn des praktischen Jahres, das Semester 11 und 12 umfasst. Das letzte Semester wird als Praktikum in der Krankenpflege absolviert. Die Zulassung ist beschränkt und eine Bewerbung erfolgt in der Regel deutschlandweit über Hochschulstart.
In der Zahnmedizin ist es relativ ähnlich. Es gibt 10 Semester mit Staatsexamen als Abschluss. Die Zulassung ist ebenfalls beschränkt und eine Bewerbung erfolgt über Hochschulstart. Jedoch gibt es bei der Zahnmedizin ca. 5000 $ an zusätzlichen Materialkosten. In den ersten beiden Semestern ist der vorklinische Abschnitt. Dazu gehören die Einführung in die Notfallmedizin, Übung in medizinischer Terminologie (einheitliche Fachsprache der Medizin) und zahnmedizinische Propädeutik (Einführung in die theoretischen und praktischen Grundlagen der Zahnheilkunde). In den Semestern 3 und 4 geht es zum Beispiel um makroskopische und mikroskopische Anatomie (Sichtbarkeit und Untersuchung der Körperstrukturen mit und ohne Hilfsmittel). Die 2 Semester danach sind sogenannte „Phantomsemester“. Dazu zählt die Zahnerhaltungskunde am Phantom (Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Schäden an den Zähnen von Simulationspuppen) und das Praktikum der kieferorthopädischen Propädeutik und Prophylaxe (grundlegendes theoretisches und praktisches Basiswissen und vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Zahn- und Kieferfehlstellungen). In den letzten 4 Semestern gibt es dann klinische Kurse in allen vier zahnmedizinischen Bereichen (Beispiel Kieferorthopädie) und das Staatsexamen am Ende.
Zuletzt ist die Psychologie. Dort gibt es 6 Semester Regelstudienzeit und 2 Masterstudiengänge, entweder klinisch oder therapeutisch. Für die Bewerbung braucht man neben der Abiturnote auch ein gutes Ergebnis beim Studieneignungstest. In den ersten beiden Semestern wird die Psychologie eingeführt und es wird sich mit der Allgemeinen, Sozialen und Biologischen Psychologie beschäftigt. In dem dritten und vierten Semester geht es um die Differentielle (konkrete Unterschiede in einzelnen Merkmalen) und Persönlichkeitspsychologie (Betrachtung des Individuums als Gesamtsystem). In den letzten beiden Semestern wird die Entwicklungspsychologie und der zweite Teil der Biologischen Psychologie behandelt. Dazu gehört die berufliche Entwicklung und Personalpsychologie sowie klinische und pädagogische Psychologie. Danach ist dann die Bachelorarbeit und wenn man besteht, bekommt man den Bachelor of Science.
Die Schritte zu einer guten Studienentscheidung sind wie folgt: Reflektieren, Informieren, Ausprobieren und sich dann über das richtige Studium entscheiden.
Berufsvorstellung
Medizinische Technologien für Laboratoriumsanalytik oder Radiologie
Was tut man in diesem Beruf?
Grundsätzlich unterstützt man die Ärzte bei Diagnosen oder der Behandlung, indem man Blut, Urin oder Gewebe im Labor untersucht oder Röntgenbilder, Computertomografien (CTs) oder MRTs durchführt. Der einzige Unterschied ist, dass man in der Laboratoriumsanalytik im Labor arbeitet und im Gegensatz zur Radiologie nicht auf Patienten trifft.
Wie sehen die Arbeitszeiten aus?
Es ist unterschiedlich, ob man in der Klinik arbeitet oder in einer Facharztpraxis, in welcher es feste Zeiten gibt. In der Klinik, in der 24/7-Betrieb herrscht, gibt es auch Nacht- und Frühschichten, genau wie Wochenenddienst oder Rufbereitschaft.
Wie ist die Gehaltssituation?
Das Gehalt variiert je nach Berufserfahrung zwischen 3.100 €–bis 5.000 € brutto im Monat, also 50.000 € bis 70.000 € jährlich, je nach Zusatzqualifikationen. Dazu gibt es Zuschläge auf Nachtschichten, Wochenenddienst oder Rufbereitschaft. Eine Klinik zahlt auch noch auf eine betriebliche Altersvorsorge ein.
Wie sieht die Ausbildung aus?
Insgesamt dauert die Ausbildung drei Jahre in einem dualen System, das aus 55 % Theorie und 45 % Praxis besteht. In der Radiologie wird eher auf physikalisches Wissen und den Umgang mit den Maschinen Wert gelegt, während in der Laboratoriumsanalytik die Chemie im Vordergrund steht. Am Ende der Ausbildung muss man eine Prüfung ablegen, die aus mündlicher, schriftlicher und praktischer Prüfung besteht. Das Gehalt während der Ausbildung beträgt zwischen 1.200 € bis 1.400 € im Monat. Als Voraussetzung wird ein mittlerer Schulabschluss mit guten Noten in den wissenschaftlichen Fächern gefordert.
Welche Fähigkeiten braucht man?
Generell sollte man ein gutes Verantwortungsbewusstsein haben, teamfähig sein und eine psychische Belastbarkeit mitbringen. In der Laboratoriumsanalytik ist es wichtig, präzise zu sein und sich lange konzentrieren zu können, bei der Radiologie muss man aufgrund der Nähe zu den Patienten vor allem empathisch sein und eine gewisse Kommunikationsstärke mitbringen.
Ist der Beruf zukunftsfähig?
Ja, ist er. Aufgrund der alternden Gesellschaft werden immer mehr Menschen ins Krankenhaus eingeliefert, was für extremen Bedarf sorgt. Darüber hinaus kann der Beruf nicht von KI ersetzt werden, egal ob man die Feinmotorik beim Analysieren des Blutes braucht oder einen verängstigten Patienten in eine MRT-Röhre legen muss, beides kann nur ein Mensch. Zusätzlich bietet der hohe Fachkräftemangel freie Wahl beim Arbeitsplatz und der Beruf ist krisensicher.
Schluss
Die vorgestellten Berufe und Studiengänge zeigen, wie vielfältig der Bereich Medizin und Gesundheitswesen ist. Neben unterschiedlichen Studienmöglichkeiten wie Humanmedizin, Zahnmedizin und Psychologie gibt es auch verschiedene Ausbildungsberufe und berufliche Wege, beispielsweise in der Pharmazie, Psychotherapie, Laboratoriumsanalytik und Radiologie.
Dabei unterscheiden sich die einzelnen Berufe deutlich in ihren Ausbildungswegen, Tätigkeiten und Anforderungen. Gleichzeitig spielen in vielen dieser Bereiche Verantwortungsbewusstsein, Fachwissen und der Umgang mit Menschen eine wichtige Rolle. Die verschiedenen Möglichkeiten zeigen, dass es im Gesundheitswesen viele unterschiedliche Wege gibt, einen passenden Beruf zu finden. Eine gute Studien- oder Berufswahl setzt deshalb voraus, sich zu informieren, verschiedene Möglichkeiten kennenzulernen und die eigenen Interessen und Fähigkeiten zu berücksichtigen.
- Ein Beruf für dich? – Zusammenfassung der Berufsmesse (Part 1) - 30. September 2026
- Wie Kunst auf Schuhe trifft - 12. Juli 2026
- Die Handypause – Ein Aufruf zur Sachlichkeit - 7. November 2025