Am 14. Oktober 2025 besuchte Herr Gartenberg das Silverberg-Gymnasium und war in der dritten und vierten Unterrichtsstunde zu Gast. Herr Gartenberg ist der Enkel eines Holocaustüberlebenden und brachte uns an diesem Tag die bewegende Geschichte seiner Familie näher. Dabei berichtete er nicht nur von seinem eigenen Vater, sondern auch von seinem Großvater und seiner Tante und davon, wie sehr die Familie unter der Zeit des Nationalsozialismus leiden musste.
Da es sich um eine sehr persönliche Familiengeschichte handelt, fand der Vortrag bewusst nur in einem kleinen Kreis statt. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b hatten an diesem Tag die Möglichkeit, mehr darüber zu erfahren, was Adolf Gartenberg, der eigentlich Abraham hieß, während der NS-Zeit erleben musste und welche Auswirkungen die Verfolgung auf seine gesamte Familie hatte.
Für alle Anwesenden war dieser Vortrag ein sehr bewegendes Erlebnis. Das Besondere daran war vor allem der persönliche Bezug. Anstatt lediglich im Geschichtsunterricht über den Holocaust zu sprechen, Zahlen zu lernen und historische Bilder zu betrachten, bekam die Geschichte plötzlich ein Gesicht. Hinter den Ereignissen standen nicht mehr nur Namen und Zahlen, sondern Menschen mit eigenen Geschichten, Erfahrungen und Schicksalen. Man konnte sich besser in ihre Lebenssituationen hineinversetzen und erkannte, wie unmittelbar diese Geschichte auch mit dem eigenen Umfeld verbunden ist.
Besonders eindrücklich war dabei der Bezug zu Bedburg. Auch der Stadtarchivar, Herr Möller, war vor Ort. Er begleitete Herrn Gartenberg und gab uns zunächst einen Einblick in die Geschichte unserer Stadt während der NS-Zeit. Dabei zeigte er uns Häuser und Straßen, die teilweise bis heute erhalten geblieben sind und die mit den damaligen Ereignissen in Verbindung stehen. Dadurch wurde die Geschichte auf einmal greifbar und erschien viel näher als zuvor. Es wurde deutlich, dass die Verbrechen und gesellschaftlichen Veränderungen der NS-Zeit nicht nur in großen Städten wie Berlin stattfanden, sondern ebenso in kleineren Städten, ländlichen Regionen und Kommunen wie Bedburg.
Ein besonders wichtiger Punkt, den sowohl Herr Gartenberg als auch Herr Möller hervorhoben, war genau dieser lokale Bezug. Die nationalsozialistische Ideologie und ihre Folgen machten nicht vor den Grenzen großer Städte halt. Auch in unserer unmittelbaren Umgebung gab es Menschen, die verfolgt wurden, unter Ausgrenzung litten und deren Leben durch die damaligen Ereignisse für immer verändert wurde. Sich mit diesen Geschichten auseinanderzusetzen, bedeutet deshalb auch, sich mit der Vergangenheit des eigenen Wohnortes und der eigenen Gesellschaft zu beschäftigen.
Zum Abschluss richtete Herr Gartenberg einen eindringlichen Appell an uns Schülerinnen und Schüler. Seine Botschaft war, dass sich das Schicksal seiner Familie niemals wiederholen dürfe. Er machte deutlich, wie wichtig es ist, nicht wegzusehen, wenn Menschen ausgegrenzt, angefeindet oder gehasst werden. Gerade in Zeiten wie diesen sei es entscheidend, aufmerksam zu bleiben und rechtzeitig gegen Hass und Hetze einzutreten.
Seine Worte lauteten sinngemäß: „Das, was meiner Familie passiert ist, soll nie wieder irgendwem passieren. Deswegen schaut nicht weg, seid nicht ignorant und lasst es besonders in Zeiten wie diesen nicht darauf ankommen. Besonders heute ist es wichtig, hinzuschauen und Hass und Hetze nicht wieder so erstarren zu lassen!“ (Aus dem Gedächtnis zitiert.)
Die Botschaft machte noch einmal deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte nicht allein dazu dient, die Vergangenheit zu verstehen. Sie soll uns auch dabei helfen, Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen und aus den Fehlern früherer Generationen zu lernen.
Am Ende des Vortrags waren alle Anwesenden sichtlich berührt. Viele empfanden die Veranstaltung als besonders wichtig und wertvoll. Einige Schülerinnen und Schüler äußerten zudem den Wunsch, dass im Geschichtsunterricht häufiger solche persönlichen Beiträge stattfinden sollten. Denn neben historischen Fakten und Zahlen können gerade persönliche Berichte dazu beitragen, die Vergangenheit besser zu verstehen und die Schicksale der betroffenen Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren.
Ein besonderer Dank gilt in erster Linie Herrn Gartenberg, der sich bereit erklärt hat, seine persönliche Familiengeschichte so offen mit uns zu teilen. Es ist alles andere als selbstverständlich, über solch schwierige und persönliche Erfahrungen zu sprechen und sie mit anderen Menschen zu teilen. Ebenso möchte ich Herrn Möller, dem Stadtarchivar, danken, der den Besuch organisiert und uns die historischen Zusammenhänge in Bedburg nähergebracht hat. Auch Frau Lausberg, die am Silverberg-Gymnasium die Stolperstein-AG leitet, war an der Organisation beteiligt. Sie engagiert sich mit großem Einsatz dafür, dass solche Geschichten und die Schicksale der betroffenen Menschen nicht in Vergessenheit geraten.
Ich persönlich wünsche mir, dass wir uns in Zukunft noch früher und intensiver mit diesen Themen auseinandersetzen. Es ist wichtig, die Vergangenheit nicht nur als eine Sammlung von Daten und Fakten zu betrachten, sondern auch die Menschen dahinter wahrzunehmen. Denn nur wenn wir uns an ihre Geschichten erinnern, können wir dazu beitragen, dass ihre Schicksale nicht vergessen werden und sich die Geschichte niemals wiederholt.
